Klaus P. Wünsch – der Pionier der deutschen Foodtruck-Szene


Interview mit Mr. Foodtruck

04 November 2016 Kein Kommentar

Vor sechs Jahren brachte er mit RibWich eines der ersten Foodtruck-Konzepte Deutschlands auf den Markt. Mittlerweile ist Streetfood „vom Laster“ ein fester Bestandteil der deutschen Gastronomie. Aber die Szene entwickelt sich. 2013 brachte Klaus dann Foodtrucks Deutschland ins Rollen. Eine Community von und für Foodtrucker. Sein nächstes Ziel: Die Street Food Convention in Nürnberg.

 

Hallo Klaus,

nachdem sich dein Leben in den letzten Jahren nur um Foodtrucks gedreht hat: Kannst du Streetfood eigentlich noch sehen?

Freilich! Sonst würde ich es ja nicht machen. Mittlerweile ist es ein anderer Fokus aber es ist immer noch ein schönes Thema und macht auch immer wieder Spaß. Gerade jetzt bei der Vielfalt und den neuen Sachen, die immer wieder hochpoppen, wird’s nie langweilig.

 

Wie entwickelt sich die deutsche Foodtruck-Szene momentan?

Es kommen immer wieder neue Geschichten. Wir kriegen das bei Foodtrucks Deutschland mit, weil wöchentlich zwischen 20 und 50 Anfragen von Foodtruckern reinkommen, die auf die Seite aufgenommen werden möchten.

Nachdem Burger und BBQ ganz Deutschland überrollt haben, kommen jetzt die exotischen Geschichten: Libanesische Küche, Thai-Küche, kroatische und auch russische Küche. Das finde ich sehr spannend, weil endlich auch ein anderer Geschmack dazu kommt.

Ein großer Boom, der für 2017 zu erwarten ist, ist Corporate Catering. Es verlagert sich ein Teil vom Mittagsgeschäft in Richtung Events und Catering.

 

Was könnten die deutschen Foodtrucker besser machen?

Ich wüsste nicht, was. So wie es läuft, läuft es sehr gut. Wir haben eine gute und vor allem freundschaftliche Szene.

Momentan kommen viele Gastronomen und professionelle Köche dazu. Auch die Industrie drückt jetzt rein. In Zukunft wird es dann wahrscheinlich auch ein paar Foodtruck-Ketten geben. Dadurch entstehen Qualitätsstandards, die bald die Szene bestimmen könnten.

 

Siehst du das als Bedrohung?

Nee, eher als Belebung des Marktes. Selbst bei den kleinen Foodtrucks gibt es Essen, das mir nicht schmeckt. Trotzdem haben sie Kunden und Fans. Das ist Geschmackssache.

Oft ist es ja nicht nur das Essen selbst. Hinter der Klappe passiert sehr viel. Die Fans sind Fans des Foodtruckers, der Mitarbeiter, der Geschichte des Foodtrucks und der Zutaten. Da gehört viel dazu. Wer das verstanden hat, hat auch seine Daseinsberechtigung.

 

Wie steht die deutsche Foodtruck-Szene im Vergleich zum Herkunftsland USA da?

Im März war ich in Washington auf der Foodtruck-Convention. Ich bin mit großen Erwartungen hingeflogen und war etwas enttäuscht.

Gerade das Thema Truckqualität ist in den USA mehr Schein als Sein. Nach außen hin sieht alles toll und bunt aus, aber wenn du unter die Arbeitsplatte langst, reißt du dir die Finger auf.

Das Essen ist da auch so eine gewisse Schiene: Burger, Hotdogs, BBQ. Diese Vielfalt wie bei uns gibt es nicht unbedingt. Zumindest da, wo ich war.

Was den Truckbau, die Qualität und die Essensvielfalt angeht, steht unsere Szene der amerikanischen in nichts nach!

 

Für das Tagesgeschäft hast du ja keine Zeit mehr. Vermisst du es manchmal, im Truck zu stehen?

Mir fehlt es schon ein bisschen. Aber das würde auch nicht funktionieren. Das hat sich bei mir auch verlagert: Vom Truck runter in die begleitende und betreuende Schiene.

Wehmütig bin ich schon, wenn ich die Kollegen im Truck schwitzen und abklatschen sehe, weil das Geschäft gut gelaufen ist, da fühlt man sich außerhalb des Trucks schon etwas ab vom Schuss. Aber es ist halt so. Ich habe es mir ausgesucht und ich bin glücklich mit dieser Entwicklung.

 

Welche Herausforderungen stehen den deutschen Foodtruckern im nächsten Jahr bevor?

Ab 2017 kommt die elektronische Aufzeichnungspflicht. Das wird auch auf der SFC ein Thema sein, weil der ein oder andere da nachrüsten muss. Die meisten sind aber bereits damit ausgestattet, weil wir das immer empfehlen.

Die Ordnungsämter werden jetzt auch verstärkt reinschauen. Die haben gemerkt, dass keine professionellen Gastronomen unterwegs sind. Aber ich sehe da keine Probleme. Die penibelsten Prüfer haben wir jeden Tag vor der Klappe stehen: Den Kunden, der direkt in die Küche schauen kann.

 

Was empfiehlst du angehenden Foodtruckern?

Als Tipp für den Einstieg: Das Allerwichtigste ist eine Essens-Idee, die knallt, die einen Fan dazu bewegt, bei Wind und Wetter an deinen Truck zu kommen. Du brauchst etwas, was man sonst gar nicht oder nur schwer oder in dieser Qualität bekommt. Das ist die große Kunst.

Außerdem bin ich ein Fan der One-Product-Schiene. Dein Truck sollte ein Signature Dish haben, für ein bestimmtes Essen stehen. Bei RibWich gibt’s halt leckeres Fleisch im Sandwich und beim Pasta Laster gibt es Nudeln. Alles andere verunsichert unter Umständen die Kunden.

Das Gesamtkonzept und das Branding müssen zum Essen passen. Dazu gehört auch der Foodtrucker selbst. Er muss das mit Leidenschaft machen und ein Entertainer sein. Wer im Foodtruck steht und eine „Fresse zieht“, gehört nicht auf die Foodtruck-Bühne.

Wenn du diese Komponenten um ein leckeres Essen bildest, wüsste ich nicht, was gegen einen Erfolg spricht.

 

Was erwartet uns dieses Jahr auf der SFC?

Dieses Jahr sind wir nicht in der Frankenhalle, sondern in der Halle 10. Und wir haben uns wieder ein tolles Rahmenprogramm überlegt, das Lola moderieren wird. Du darfst gespannt sein!

 

Dann sehen wir uns auf der SFC. Ich freue mich schon drauf!

Ich mich auch!


Kein Kommentar


Kommentar schreiben